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Literatur
Schreiblust weiter

Lesen und Schreiben - Kleine Bewegungsstudie

uf den folgenden Seiten finden Sie Texte, in denen SchülerInnen darstellen, was lesen und schreiben für sie bedeutet. Verschiedene literarische Formen des Nachforschens bieten sich an: Erfassen sie in ihrer poetischen Offenheit doch am besten die vielen Nuancen dieser grundlegenden Kulturtechniken, die sowohl Gemeinschaft als auch Individualität in einem utopisch-aufgeklärten Sinn erst ermöglichen.

Das Nachdenken über die unersetzbaren Erfahrungsräume des Lesens und Schreiben scheint mir umso wichtiger, da allerorts der Endsieg des Bildes über das Wort errungen scheint, da Texte ohne Bilder – so der kaum hinterfragbare Konsens – ohnehin nicht mehr „funktionieren“, da das Erschrecken über die angeblich im Schwinden begriffene Lese- und Schreibfähigkeit der Jugendlichen berechtigt und doch so merkwürdig verlogen wirkt:
Will man denn Jugendliche (noch) in aller Konsequenz zu Menschen erziehen, die sich mit relativ einfachen Mitteln, einem Stück Papier und einem Bleistift oder einem Buch in Händen den Forderungen ständigen Agierens und Konsumierens zu entziehen wissen?


Wer liest, wer schreibt, nimmt sich heraus, im doppelten Sinne: Er/ sie nimmt sich selbst für eine kleine Weile aus der Maschinerie, die unser Alltag ist, und nimmt sich etwas heraus: Zeit, die mit den Wörtern, den Sätzen, den Romanen, den Gedichten verbracht wird, mit den fröhlichen Verlierern, die nicht aufhören sich und uns neu zu erfinden.
Bleiben wir dabei, anachronistisch und unbeirrbar unzeitgemäß.


Was geschieht, wenn ich mit Leidenschaft lese oder schreibe, wenn meine imaginative Kraft aus relativ simplen Zeichen Geschichten webt, wenn ich in ein Buch, in ein zunächst fremdes Bewusstsein eintrete, mich selbst erfahre, in dem, der ich nicht bin, an Orten und zu Zeiten, die nicht die meinen sind?
Wer kehrt daraus zurück? Ich, ein/e Andere/r? Und wohin? Hat sich mit dem angereicherten Blick nicht auch die vorgebliche Wirklichkeit ein klein wenig verschoben? Hat sie etwas – manchmal nicht sofort Greifbares – sichtbar und anderes hingegen fragwürdig gemacht?
Nichts ist, wie es scheint, nichts, das ist, kann nicht auch anders gedacht, gesagt – und vielleicht auch gelebt - werden. Diese Erfahrung ist es, die das Einlassen auf Texte – lesend und schreibend – unweigerlich mit sich bringt. Glücklich macht dies nicht immer. Aber wacher gewiss. Können wir unseren Kindern, unseren SchülerInnen etwas Besseres wünschen?


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